Norddeutsch, präzise, unaufgeregt – und doch voller Spannung.
Mit Lasse Knickrehm hat Kiel nicht nur einen Michelin-Stern zurückgewonnen, sondern eine Küche, die Haltung zeigt. Im Restaurant Ahlmanns im Romantikhotel Kieler Kaufmann steht Knickrehm für eine moderne norddeutsche Kulinarik: klar im Ausdruck, regional verwurzelt und konsequent auf Geschmack fokussiert.

Was auf den Tellern selbstverständlich wirkt, ist das Ergebnis eines sehr bewussten Weges – und einer klaren Idee davon, was zeitgemäßes Fine Dining heute leisten muss.

Portrait

Ein Weg mit Facetten – und klarer Linie

Lasse Knickrehms Karriere verlief nicht geradlinig, sondern bewusst vielschichtig. Früh sammelte er prägende Erfahrungen in unterschiedlichen Disziplinen der Spitzenküche.
Bei Bobby Bräuer lernte er die Bedeutung von Balance, Saucen und feinen Nuancen. In der Pâtisserie bei Hans Stefan Steinheuer schärfte er sein Verständnis für Präzision, Textur und Kritikfähigkeit. Als Poissonnier bei Dirk Luther stand schließlich das Produkt Fisch im Mittelpunkt – mit all seiner Sensibilität und seinem Anspruch an handwerkliche Genauigkeit.

Diese Stationen formten seine heutige Handschrift: strukturiert, fokussiert und immer vom Produkt aus gedacht.

Der Norden auf dem Teller

Im Ahlmanns verbindet Knickrehm regionale Zutaten aus Schleswig-Holstein mit internationalen Einflüssen – ohne laut zu werden. Seine Küche erklärt sich nicht über komplizierte Konzepte, sondern über Klarheit und Verständlichkeit.

Schon die ersten Snacks zeigen diesen Ansatz: modern interpretierte Klassiker, überraschende Kombinationen, präzise Aromen. Das Menü liest sich wie eine kulinarische Reise durch den Norden – von Räucheraal aus Hohwacht über Nordsee-Rotbarbe bis hin zu Gerichten vom Glücksstück-Schwein oder einer fein abgestimmten Käseauswahl.

Dabei bleibt das Menü flexibel: Gäste wählen ihre persönliche Dramaturgie, die Küche passt Länge und Dynamik an. Fine Dining ohne Starrheit – aber mit Anspruch.

Handschrift statt Hype

„Norddeutschland mit Weltoffenheit“ – so lässt sich Knickrehms Stil zusammenfassen.
Im Mittelpunkt stehen Gemüse und Fisch, klare Produktfokussierung und eine Aromatik, die selbstbewusst, aber nie laut ist. Fermentation, Reifung und klassische Techniken wie Fonds und Saucen treffen auf zeitgemäße Akzente.

Wichtig ist Knickrehm dabei vor allem eines: Sinnhaftigkeit.
Ein Gericht muss geschmacklich überzeugen – Optik ist Mittel zum Zweck, nicht Selbstzweck. Diese Haltung spiegelt sich auch in der Teamarbeit wider: Menüs entstehen gemeinsam, Ideen werden geteilt, Verantwortung wird getragen.

Michelin-Stern und Bedeutung für Kiel

Seit 2025 trägt das Ahlmanns wieder einen Michelin-Stern – ein Meilenstein nach einer intensiven Aufbauphase. Für Knickrehm ist die Auszeichnung weniger Ziel als Bestätigung: ein Signal, dass sich konsequentes Arbeiten auszahlt.

Gleichzeitig hat der Stern eine überregionale Wirkung. Mit Knickrehm und seinem Team ist Kiel wieder sichtbar auf der kulinarischen Landkarte Deutschlands angekommen – nicht als lauter Gourmet-Hotspot, sondern als Standort mit Substanz und eigener Identität.

Genuss als Auszeit

Das Ahlmanns versteht sich nicht als Bühne für Effekte, sondern als Ort der Ruhe und Konzentration. Eingebettet in die Parklage des Romantikhotels Kieler Kaufmann entsteht ein kulinarisches Erlebnis, das entschleunigt – und dennoch überrascht.

Ein Besuch ist keine Pflichtübung für Feinschmecker, sondern eine bewusste Auszeit: präzise Küche, klare Aromen, aufmerksamer Service und das Gefühl, für einige Stunden ganz bei sich zu sein.

Fazit

Mit Lasse Knickrehm steht im Ahlmanns eine neue Generation norddeutscher Spitzenküche am Herd: handwerklich exakt, regional gedacht und offen für die Welt. Eine Küche mit Haltung – und mit Zukunft. Das Interview mit Lasse Knickrehm können Sie in unserem ChefHeads-Magazin lesen>>

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